Dr. Caroline Dostal
ÜBER DEN BALKON HINAUS — MIT POWER FÜR UNSERE NATUR VOR DER HAUSTÜR
Dr. Caroline Dostal ist Juristin, Keynote-Speakerin und Mediatorin. Sie ist Expertin für (multilaterale) Verhandlungsführung in Krisen- und Konfliktsituationen und arbeitet als Konfliktberaterin, Executive Sparringspartnerin und Verhandlungs- und Potenzial-Coach für Frauen in Führungspositionen. Als Impulsgeberin begeistert Caroline Dostal in ihren Keynotes und Vorträgen für die Demokratie, nimmt ihr Publikum mit hinter die Kulissen von Politik und Macht, macht Krisenmanagement erfahrbar und bietet dabei pures Empowerment für umsetzbares Leadership — inspirierend, humorvoll und mit Esprit. Dabei greift sie auf einen 20jährigen Erfahrungsschatz im nationalen und internationalen Politikbetrieb zurück.
Im Dürrejahr 2018 und angesichts der Krefelder Studie 2017 entschied sie sich, ihre Kapazitäten mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement denen zur Verfügung zu stellen, die keine eigene Stimme und in unserem Land in der Regel eine schwache Lobby haben: die Natur und alle ihre wilden Bewohner. Sie war 2018 Mit-Gründerin der Berliner Petitionsinitiative „Rettet das Grün vor unserer Haustür“, deren Kernforderung es in den Koalitionsvertrag der im September 2021 gewählten Berliner Regierung geschafft hat. In Kooperation mit „Greenkiez e.V.“ initiierte die Initiative Fachgespräche zur nachhaltigen Grünpflege mit der Verwaltung im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und wurde so zum Ansprechpartner für die Verwaltung. Aktuell ist sie auch Mitglied der AG Artenschutz der Naturfreunde Berlin e.V.
Inhalt der Präsentation:
Der Bio-Balkon Bewegung folgt Caroline seit den Anfängen. In ihrem Vortrag „Über den Balkon hinaus — Mit Power für unsere Natur vor der Haustür“ ermutigt sie, sich über den eigenen Balkon hinaus für die beste Klimaresilienz einzusetzen, die wir haben können: unsere Bäume, Sträucher und Wiesen. Und damit auch gleich noch was für den Artenschutz zu tun. Dabei gibt es pures Empowerment und konkrete Tipps, wie man sich für die gute Sache einsetzen kann. Denn wenn man weiß, wie es geht, ist der erste Schritt gar nicht mehr so schwer.
Weiterführende Informationen zum Vortrag:
In Deutschland gibt es ein sehr hohes Gut und das ist die Verkehrssicherungspflicht. Um diese Pflicht ranken sich auch in der Verwaltung viele Mythen, die mitunter zu unverhältnismäßigen Maßnahmen in der Grünpflege führen. So hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, hier das Straßen- und Grünflächenamt zum Beispiel immer wieder von „mehreren Anklangen und Gerichtsverhandlungen“ gegen die Mitarbeitenden gesprochen. Im Rahmen unserer Initiativen Arbeit haben wir damals ein Paper erstellt, welches wir in der Bezirksverordnetenversammlung vorgestellt haben und das für die Politiker:innen ein völlig neues Licht auf diese Thematik geworfen hat.
Ich stellte dieses Papier hier zur Verfügung, da ich es wichtig finde, diese Informationen zu verbreiten.
Im Sommer 2026 wurden in Deutschland die meisten Hitzetoten jemals gezählt. Bereits bis Ende Juni 2026 sollen rund 5.100 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben sein, so das Robert Koch-Institut. Am 30. Juli lag die Zahl der Toten bei rund 10.000 (ohne Dunkelziffer). Wie viele Tote es durch umstürzende Bäume oder herab fallende Äste gab, ist in dem Paper zur Verkehrssicherungspflicht zu lesen.
Gerade aktuell gab es bei mir im Kiez eine Diskussion auf der Nachbarschaftsplattform „nebenan“, wo es um Grünpflege ging. Jemand stellte folgende Frage: „Was genau ist denn erlaubt und was nicht? Bei uns waren gerade die “Gärtner” und haben alles kurz und klein gemacht: die Hecken zwar nicht entfernt, aber auf ein Minimum zusammengestutzt, die “Wiese” ist brach, etc..
Diese Art der „Grünpflege“ ist vielerorts Standard. Oder Menschen reißen ganze Hecken während der Brutzeit aus, weil sie ihnen für was auch immer im Weg ist. All das verstößt gegen geltendes Recht, nämlich das Bundesnaturschutzgesetz. Es sei denn, es liegen Ausnahmegenehmigungen vor. In meinem Mieterhof wurde dieses Jahr von der Unteren Naturschutzbehörde ein Baustopp verhängt, weil eine Gartenbaufirma im Juli ganze Sträucher mit dem Bagger heraus gerissen hatte und damit ein Spatzenhabitat zerstörte.
Das folgende Paper gibt lediglich eine erste grobe Orientierung, was verboten ist. Aber die bei „nebenan“ gestellte Frage ist sehr gut, denn auch ich wusste früher überhaupt nicht, was eigentlich erlaubt ist und was nicht. Mit diesem Paper möchte ich für die Grenzen unsachgemäßer Grünpflege sensibilisieren.
Ich stelle hier auch mein „Igelpapier“ zur Verfügung. Wir haben in unserem Innenhofareal mittlerweile eine Igelpopulation von 7 Igeln. Diese versuchen wir vor den Pflegemaßnahmen der Hausverwaltung zu schützen. Dafür habe ich das Schreiben erstellt. Es kann als erste Hilfestellung dienen, wenn man Igel im Umfeld beobachtet und sie schützen möchte. Das kann auch eine öffentliche Fläche sein wie ein Park oder ein begrünter Platz. Denn selbstverständlich ist gerade die Verwaltung an die Einhaltung der geltenden Naturschutzgesetze gebunden.
Eines ist beim Artenschutz aber immer ganz wichtig: es ist entscheidend, das Vorkommen der Tiere genau zu dokumentieren. Also wann man sie gesehen hat, zu welcher Tageszeit, bei welchen Witterungsbedingungen. Und natürlich auch wie oft, also über einen gewissen Zeitraum sollte man sie immer wieder dokumentieren, am besten natürlich auch mit Fotos.
Dann möchte ich auf folgende Petitionsseite noch aufmerksam machen, da man auch hier sehr hilfreiche Informationen zu fachgerechter Baumpflege findet und natürlich die Petition auch mit zeichnen kann. Spoiler: Baumkappungen, so wie man sie zB in Berlin ganz häufig sieht, sind kein Pflegekonzept. Kappungen und Verstümmelungen gehören zu den am besten beschriebenen Fehlmaßnahmen in der Baumpflege. Die fachliche Einordnung ist eindeutig: Sie sind baumzerstörend, verkürzen die Lebensdauer, erhöhen langfristig die Bruchgefahr und verursachen höhere Folgekosten. Aus meiner Sicht ist das eine ungeheure Verschwendung von Steuergeldern, denn gerade auch in Berlin verlieren wir ganz viele Straßenbäume durch unsachgemäße Pflege. Wie im Vortrag ausgeführt sind aber gerade die alten Bäume die wirklich wertvollen Bäume. Zudem verursacht die Pflanzung von neuen Bäumen unverhältnismäßige Kosten. Abgesehen davon, dass es unter den herrschenden klimatischen Bedingungen extrem schwierig ist, Jungbäume überhaupt groß zu bekommen.
Hier geht es zur sehr informativen Petitionsseite:
Und natürlich findet man auch immer tolle Informationen zu Bäumen und ihrer Pflege bei Conrad Amber. Er hat auch schon auf dem Bio Balkon Kongress gesprochen und man findet ihn den sozialen Medien.
Disclaimer:
Die in den Dokumenten bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der Anregung bzw. weiteren Hintergrundinformationen zu eigenen ersten Schritten, wenn man sich über den Balkon hinaus engagieren möchte. Sie enthalten lediglich allgemeine Informationen zu rechtlichen und sonstigen Themen und erheben keinen Anspruch auf Korrektheit. Sie stellen keine Rechtsberatung dar und sollten auch nicht als solche behandelt werden. Die Informationen stellen möglicherweise auch nicht die aktuellsten rechtlichen oder sonstigen Informationen dar.